Reformierte Kirche Bühler

Dienstag, 30.05.2017

Neulich in Amsterdam

Am Montag sind wir aus dem Konflager zurück gekommen. Hinter uns liegen schöne Tage in Ostwestfalen, irgendwo zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald. Wir haben viel gesehen. Die Stimmung war klasse und das Wetter fantastisch. Einem Ausflug ans Meer stand nichts im Weg. Doch anstatt nach Norddeutschland ans Meer zu fahren, fragte eine Konfirmierte, ob wir nicht stattdessen nach Amsterdam fahren könnten. Die Stadt liege doch auch in der Nähe des Meeres. Und da könnten wir dann hinterher auch noch vorbei gucken.

Schnell hatte sie die Gruppe hinter sich und auch ihr Pfarrer war überzeugt, dass das eigentlich eine gute Idee sei. Also dann: Amsterdam. Eine Stadt, vom Wasser und vom Rad aus gedacht. Grachten, Radwege und Brücken. Wegen des verlängerten Wochenendes waren wir offensichtlich nicht die einzigen, die das eine gute Idee fanden. Noch nie habe ich so viele Menschen unterwegs gesehen. Ein wildes Menschengetümmel. Zu Fuss. Auf dem Rad. Auf dem Schiff. Im Auto. Ein riesengrosses Durcheinander. Als ich unseren Bus am Hauptbahnhof entlanggesteuert und langsam die innerste Innenstadt hinter mir hatte, dachte ich: „Halleluja! Ich habe niemanden umgefahren!“ In Bühler ist weniger los.

Während die Konfirmierten ihres Weges gingen, wollte ich mir die Kirchen angucken. Nach einigem Hin und Her, über Brücken gehen, Schiffe angucken, sich über die Auslagen in den Geschäften wundern, über weitere Brücken gehen, Kaffee trinken, etwas essen, im Schatten gehen, Radfahrern ausweichen, Füssgänger nicht anrempeln, wieder über Brücken gehen, stand ich endlich vor einer Kirche. Nachdem wir den Eingang gefunden hatten, war klar: Das ist keine Kirche mehr. Das ist jetzt eine Ausstellungshalle, mit Eintritt. Also gut, weiter. Nächste Brücke, nächste Touristengruppe usw. Die nächste Kirche entdeckt, hingegangen, und plötzlich waren wir mitten im Rotlichviertel. Noch seltsamere Auslagen in den Schaufenstern. Einiges bewegte sich und klopfte gegen die Scheiben. Auch diese Kirche war inzwischen umgenutzt. Eine Museum, mit Eintritt. Also weiter. Glace essen. Und wieder eine Kirche. Diesmal tatsächlich eine Kirche, kein Eintritt. Wir rein und drinnen: Stille. Mitten in dem Gewusel. Genau das, was draussen nicht war. Ausserdem war es angenehm kühl. Dann erstmal hinsetzen, verschnaufen, auftanken. Mich fokussieren auf eine Blickrichtung. Und gucken. In aller Ruhe. Zeit hatten wir genug.

Später, am Meer, war es auch schön still. Und der Horizont weit. Ich mag das ja.

Lars Syring

Pfarrer in Bühler