Reformierte Kirche Bühler

Samstag, 29.12.2018

Neulich beim Schönheitswettbewerb

Schon mal bei einem Schönheitswettbewerb mitgemacht? Ich auch nicht. Aber ich weiss, dass sich die Missen, die gerne gewählt werden möchten, nicht nur in Schale schmeissen, sondern standardmässig auch den Weltfrieden wünschen. Im Bikini auf der Bühne stehen und sich den Weltfrieden wünschen? Das kann man machen. Ob es uns dem Frieden einen Schritt näher bringt? Ich habe meine Zweifel.

Unsere Jahreslosung für 2019 weist uns einen anderen Weg. In den Psalmen heisst es: »Suche Frieden und jage ihm nach!« (Psalm 34, 15) Das klingt deutlich aktiver als das warten auf die Erfüllung eines Wunsches. Also versuche ich zu suchen. Wo ist Frieden? Wo kann ich mithelfen, dass Frieden wird? Wo kann ich befrieden?

Und auch: Was ist das eigentlich: Frieden? Frieden ist ja weit mehr als ein „nur“ kein Krieg. Frieden dient dem Leben. Frieden ermöglicht überhaupt erst Leben. Da klingen noch andere Worte mit. Gesundheit, Heil, Ruhe, auch Feiheit, Sicherheit. Krieg zerstört Leben. Der Frieden stiftet zum Leben an.

In all den Jahren meines langen Lebens habe ich gelernt, dass der äussere Friede mit meinem inneren Frieden zusammen hängt. Nur wenn ich einigermassen Frieden mit mir selbst geschlossen habe, kann ich auch Frieden mit meinen Mitmenschen schliessen. Und von John Lennon und Yoko Ono habe ich gelernt, dass der Krieg schon vorbei ist, sobald ich es überhaupt will. Es kommt also viel darauf an, dass ich selbst aus dem Kampfmodus aussteige und frei und aufrecht, fröhlich und mutig durch mein Leben stapfe. Ich muss mich nicht ständig selbst verteidigen. Ich muss nicht mein Recht durchsetzen. Im Gegenteil. Ich kann einfach so auf mein Recht verzichten, wenn es dem Frieden dient. Ich weiss ja, was Sache ist. Und ich kann auch, wenn wir in einem Konflikt stecken, den Blick nach vorne lenken. Kann gucken, wie wir gemeinsam den Weg weiter gehen können. Aus der Konfliktsituation heraus. In eine gemeinsame Zukunft. Das ewige drehen der Schuldschraube führt ja auch nicht wirklich weiter. Es eröffnet keine Zukunft. Stattdessen macht es Bauchweh.

Wenn ich mithelfe, dass die Menschenfreundlichkeit Gottes konkret wird, dann habe ich schon viel erreicht. Ich habe auch noch die Worte des Engels aus der Weihnachtsgeschichte im Ohr: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!« Zweifellos. Das sind grosse Worte. Mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden. Auch wenn ich mit dieser Einstellung vermutlich keinen Schönheitswettbewerb gewinnen werde.

Lars Syring