Reformierte Kirche Bühler

Mittwoch, 24.08.2016

Pfarrer ohne Talar

Neulich hat Kirchenratspräsident Koni Bruderer unsere Vikarin Constanze Broelemann ordiniert. Nach beendeter Ausbildung wurde sie zu einer Verbi Divini Ministra, zur Dienerin am göttlichen Wort. Dazu hat sie dann im Gottesdienst auch ihren Talar bekommen.

So eine Ordination ist immer ein grosser Tag. Endlich ist die Ausbildung abgeschlossen und die eigenverantwortliche Arbeit in der ersten eigenen Kirchgemeinde steht verlockend bevor. Die Ordination ist ein Moment auf der Schwelle. Was einmal war, ist nicht mehr. Und was sein wird, ist noch nicht. Dankbar und auch erleichtert blicken wir zurück. Voller Freude und Erwartung, aber auch ein bisschen mulmig blicken wir vorraus. Wie wird das in der ersten Kirchgemeinde werden? Wie wir das Leben im Pfarramt?

Ich habe zu diesem grossen Festtag gedacht, dass es mal wieder an der Zeit wäre, meinen Talar (genauer meine Mantelalbe, noch genauer meine Tunika) in die Reinigung zu bringen. Damit an Constanzes grossem Tag alles strahlt. Keine grosse Sache, dachte ich. Doch leider leider hatte der nette Mann in der Reinigung einen schlechten Tag und meinen Talar in die falsche Kiste gelegt. Dort wurde er dann zu heiss gewachsen und ist eingelaufen. Was niemals hätte passieren dürfen, ist nun doch passiert. Und ich musste mit den Tränen kämpfen, als ich meinen Talar wieder in Empfang genommen habe.

Nun geht er mir noch knapp übers Knie und ist verfiltzt. Für den Gottesdienst unbrauchbar. Das hat mich sehr traurig gemacht. Immerhin habe ich ihn damals, 2001, von meinen Vikariatseltern zu meiner Ordination geschenkt bekommen. Und dieser Moment, als ich ihn zum ersten Mal anhatte, war ein ganz besonderer. Endlich war ich am Ziel meiner Wünsche. Endlich konnte ich Pfarrer werden. All diese Gefühle waren wieder da, als ich meinen Talar gesehen habe. Da ist für mich viel mehr als nur ein Stück Stoff kaputt gegangen.

Die Talarschneiderin im Kloster Fahr sagte damals: „Schwester Priska webt ihre Gebete mit in den Stoff hinein.“ Irgendwie war das dem Talar anzumerken. Und durch die bald 15 Jahre im Amt ist er mit mir durch dick und dünn gegangen. Wir haben sehr freudige und sehr traurige Momente miteinander getragen. Viel Segen ging durch ihn hindurch. Und als es um den Schadensersatz ging war klar: Der Talar ist unbezahlbar.

Für Constanzes Ordination konnte ich mir den Talar meines Vikariatsvaters Johannes Stäubli, Waldstatt, borgen. Der war mir natürlich auch zu kurz, aber es ging. Für einen Notfall ok - nur falls Sie sich gewundert haben.

Nun brauche ich also einen neuen Talar. Der Termin im Kloster Fahr steht. Es wird ein halbes Jahr dauern, bis ich ihn abholen kann. Wie ich die Zeit bis dahin überbrücke, weiss ich noch nicht so genau. Irgendwie zivil vermutlich.

Mein neuer Talar wird wieder ein weisser. Klar. „Schlussendlich verkündigen wir ja auch die Botschaft von Jesus, vom Licht. Und nicht von der Finsternis“, merkte meine Frau passend an. „Darum tragen wir weiss und nicht schwarz.“

Lars Syring

Pfarrer in Bühler